Gedanken über Star Trek XI

J. J. Abrams wollte, dass es wieder eine coole Sache ist „bei der Sternenflotte zu sein.“ Er wollte, dass Star Trek sexy wäre. Sicherlich ist ihm das gelungen.
Obschon der Film eine alternative Zeitlinie aufbaut, geht das neue Filmteam sehr behutsam und respektvoll mit dem Trek um, den es vorher gab. Ganz anders als dies Berman und Co. gen Ende zu tun pflegten. Diese benahmen sich so als wäre Star Trek ihr eigenes „Kinderzimmer“, dass lange nicht aufgeräumt worden war. So kam es schon mal vor, dass vergessen wurde, das die Borg nie eine Königin hatten oder das man entweder gar nicht oder zu jeder beliebigen Zeit den Nexus verlassen kann, um nur zwei Kapitalfehler zu nennen.
Das neue, alte Star Trek ist selbstbewusst. Der erste Film unter Abrams Regie erinnerte mich an ein Casting oder einfacher geschrieben: an ein Vorstellungsgespräch. Alles wird auf eine Karte gesetzt. Entweder sie werden es lieben oder hasse, mag Abrams gedacht haben. Und tatsächlich kam es auch so. Einige Fans und Gelegenheits-Kinogänger hassten den Film, andere liebten ihn. Aber auch das fühlt sich nach Trek an. Roddenberry war kein „Ja-Sager“. Er hatte seine Vision und nicht zuletzt aufgrund des Festhaltens daran verlief der erste Pilotfilm im Sand als „zu anspruchsvoll“, nicht zuletzt deshalb wurde Star Trek Kult – denken wir an jenen ersten Kuss zwischen einem Weißen und einer Farbigen. Sollte nicht sehr aufregend sein, war es aber in einer Zeit in der der z. B. Ku-Klux-Klan seine Macht noch auf den Straßen demonstrierte. Berman hingegen versuchte tausend Kompromisse zu finden. Es gibt aber keinen Mainstream-Trek, sondern nur Trek oder nicht Trek.
Aber klingt das nicht paradox? Abrams lies doch nun auch die Fetzen fliegen! War er es nicht, der sagte, Star Trek müsse mehr wie Star Wars sein? War er es nicht, der in jener „Flug-ins-Trümmerfeld“-Szene für die Fans der anderen Seite der Macht R2-D2 als Gag einbauen ließ? Die Frage ist wohl: wie viel Schlachtengetümmel geht auf des Fans Kuhhaut? Vermutlich ist das Problem einiger Fans von heute, die die Next Generation mitunter als „diese alte Serie“ bezeichnen, das sie nie mit der „Cowboy-Diplomatie“ des großen Kirk konfrontiert worden sind. Kirk ist kein großer Verhandlungstyp. Er nutzt schneller das Schießeisen, wobei er dennoch fortschrittlich denkt und an den Werten der Föderation festhält.
Abrams – und darin liegt meiner Ansicht nach sein Genie – schaffte es Star Trek zu einem Mainstream – Event zu machen, das voller Details für die Fans steckt, die man aber nicht wirklich benötigt um den Film zu verstehen. Natürlich muss man sie auch sehen und hören. Die kleinen und großen Anspielungen an alte Filme und Serien…
Eines habe ich jedoch trotzdem zu kritisieren.
Der Film fühlt sich noch immer nicht vertraut an. Bisher war Star Trek immer mit uns vertrauten Charakteren – und Schauspielern – erfüllt. Wir sahen unsere Helden bisher Woche für Woche (oder gar Tag für Tag) und dann irgendwann einmal zusätzlich im Kino. Diese neuen, alten Helden kennen wir jedoch nur aus einem einzigen Film. Sie bleiben – so genial der Film auch ist – unvertraut.
Die Aussicht auf den nächsten Teil lässt uns Fans darben. 2012 soll es soweit sein. Das dauert noch lange… Bleibt zu hoffen, das uns Paramount bis dahin nicht so ganz auf dem Trockenen sitzen lässt…
m.w. © 2010

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